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Bauer bildet aus

Es ist soweit. Simon macht eine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker.  In der Ausgabe des Kreisboten vom 16.9.2017 steht dieser Bericht über die zwölf neuen Azubis bei der Firma Bauer:

Das ist auch Teil der Erfolgsgeschichte meines Sohnes Simon. Vom Status eines unbeschulbaren Schülers (O-Ton Rektor Förderzentrum Weilheim) hat sich Simon zu einem selbstbewussten jungen Mann entwickelt, der seinen Weg geht.

Gratulation Simon!

 

Simon hats geschafft!

Endlich ist es soweit. Simon hat seinen qualifizierenden Mittelschulabschluss (früher nannte man das Hauptschulabschluss) erreicht. Dabei konnte er sich in den Fächern Mathematik (von 3 auf 2) und Deutsch (von 4 auf 3) sogar noch um jeweils eine Notenstufe nach oben verbessern. Wesentlich dazu beigetragen hat seine Schulbegleiterin, die ihn seit der fünften Klasse in der Huglfinger Mittelschule begleitet hat. Trotzdem war er natürlich in der Prüfung auf sich selbst gestellt. Wie seine Mitschüler eben auch.

Wie soll man einer Person Danke sagen, die sich über so einen langen Zeitraum um unseren Sohn bemüht hat? Ich habe deshalb der Schulbegleiterin meinen Dank gesagt und sie mit einer Urkunde ausgezeichnet:

Überhaupt war diese Feier stimmungsvoll. Auch meine Tochter hat ihren Abschluss gemacht. Die Abi-Feier lässt sich mit der Abschlussfeier der Huglfinger Mittelschule nicht vergleichen. Glänzte am Gymnasium die Rektorin in ihrer langen Rede mit ihrem philosophischen Fachwissen, ging es in Huglfing wesentlich volkstümlicher zu. Herr Baumgartner und Frau Seidler moderierten diese gelungene Feier. Schön waren beide Feiern, jede auf ihre Art und Weise.

Leider bleibt ein bitterer Nachgeschmack.
Nicht jeder Schüler der neunten Klasse hat in diesem Schuljahr seinen Abschluss erreicht. Manche Schüler schafften den Quali nicht (über Notendurchschnitt 3.0) und manche Schüler scheiterten am Abschluss der Mittelschule (über Notendurchschnitt 4.0). Bei der Abschlussfeier der neunten Klassen am 20.7.2017 wurden bewusst keine genauen Zahlen genannt, wenn diese auch inoffiziell bekannt sind. Wie groß muss da der Frust bei manchen Schülern sein? Ein Schüler erschien gleich gar nicht zur Abschlussfeier. Ich sorge mich um die Zukunft dieser jungen Menschen.

Dabei muss man die Lehrkräfte bewusst in Schutz nehmen. Einige wenige Schüler haben sich im Unterricht verweigert. So gibt es Geschichten von Schülern, die bewusst, z. B. bei Referaten die Mitarbeit verweigerten. Lieber nahmen diese Schüler bewusst eine schlechte Benotung in Kauf, als dass sie sich bemüht hätten. Leider kann man einen Dackel nicht zur Jagd tragen. Was wird aus diesen jungen Menschen werden? Da müsste ein Lehrherr schon große Toleranz beweisen, als dass er einen Schüler ohne Abschluss einstellt.

Manche der Schüler versuchen jetzt in einem Orientierungsjahr an einer Berufsschule ihren Weg zu finden. Im sogenannten Berufsgrundbildungsjahr oder Berufsvorbereitungsjahr dürfen diese Jugendichen nochmals die Schulbank drücken um sich zu finden. Vielleicht kommen sie ja auf diesem Weg zur Einsicht, wie wichtig ein Schulabschluss ist.

Man kann ihnen auf ihrem weiteren Weg nur alles Gute wünschen.

Wie erstellt man eine gute Bewerbung – Eine Geschichte

Das Schuljahr geht zu Ende, in zehn Wochen ist die Abschlussfahrt, noch lange nicht haben alle in der Abschlussklasse einen Lehrvertrag in der Tasche.

Deshalb denke ich im Nachinein über das Thema Bewerbungen nach und warum es bei manchen einfach ncht klappt.

Hintergrund:
Im Jahr 2013 verlor ich meinen Job. Es folgte eine Phase der Arbeitslosigkeit, in deren Verlauf, das ist Standard wenn es länger dauert, man aufgefordert wird, an einer Weiterbildungsmaßnahme teilzunehmen. Wenn man dann schon 60 ist, ist klar wie wenig eine solche Maßnahme von Erfolg gekröhnt ist.

Nun, ich hatte nichts anderes vor, hatte bereits einige Bewerbungen verfasst und durfte mir bei der Arbeitsagentur ein sogenanntes Jobcoaching „aussuchen“. Diese Maßnahme führt natürlich nicht die Arbeitsagentur selbst durch. Sie beauftragt einen Dienstleister, in dem Fall, die B.I.B. Augsburg, Standort Weilheim.

Die Maßnahme begann im Oktober 2014. Zweimal die Woche musste ich die Schulbank drücken. Wir analysierten unsere Stärken und Schwächen, wir lernten, wer es noch nicht konnte, frei zu sprechen, Präsentationen zu erstellen und vieles mehr. Und wir lernten vor allem, wie eine gute Bewerbung auszusehen hat. Die Referentin Susanne Geissenberger, ein bereits länger bei der B.I.B. beschäftigter Couch zeigt uns aber vor allem, was eine gute Bewerbung ausmacht.

Wir zeigten, was wir so bisher an Bewerbungen abgesondert hatten. Keine einzige unserer Bewerbungen entsprach ihren Anforderungen. Nun schrieben wir unter ihrer Anleitung Bewerbungen. Bei den Jüngeren stellten sich die Erfolge sehr schnell ein.  Manche verliessen bereits nach einem Monat die Maßnahme. Aber auch einige Ältere waren teils kurz vor Weihnachten wieder in einer Anstellung. Also konnte das, was uns beigebracht wurde, nicht so falsch sein. Wir lernten deshalb auch, nicht auszulassen, immer wieder neue Bewerbungen zu schreiben. Dabei vermieden wir Kardinalfehler wie z.B. „Hiermit bewerbe ich mich“ oder im Lebenslauf die halbe Verwandschaft aufzuzählen.

Wir lernten wie man einen Lebenslauf nach Stärken gliedert, wie wichtig der erste Satz im Anschreiben ist, warum ein perfektes Bewerbungsfoto so wichtig ist und welche Formalien heute aktuell bei Bewerbungsmappen, egal ob offline oder online, wichtig sind.

Wir lernten auch, dass es formale Gründe gibt, warum ein Personaler Bewerbungsunterlagen nicht zurückschicken muss. Dieser Trick war für mich gänzlich neu, leuchtete aber ein. Solches Insiderwissen kommt nicht aus veralteten Schulbüchern, sondern von einem professionellen Coach, der auf dem Laufenden ist.

Ende Februar 2015 war es dann auch bei mir soweit. Ich hatte bisher ca. 30 Bewerbungen erstellt. Wir hatten meinen Lebenslauf nochmals komplett umgestellt und noch stärker nach meinen Fähigkeiten strukturiert. Ich bekam die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch, die erste Hürde war genommen. Und ich bekam den Job, ab 1.4.2015 war ich alter Sack wieder in Lohn und Brot. Der Personalverantwortliche, der mich einlud, lobte noch die hohe Professionalität meiner Bewerbungsmappe. Da durfte unsere Trainerin schon ein bisschen stolz auf sich sein. Sie freute sich mit mir und ich war glücklich.

Leider hat mich dann Anfang Mai der Krebs erwischt, jetzt war alles anders, aber das Thema Bewerbungen war damit für mich nicht beendet, im Gegenteil.

Im Schuljahr 2015/2016 war in der achten Klasse meines Sohnes auch das Thema Bewerbungen  wichtig. Ich sah bald, wie das Thema in der Schule an meinen Sohn und die Klasse vermittelt wurde. Das war die Art von Bewerbungen, die ich beim Coaching in der B.I.B. als unbrauchbar kennenlernte.

Ich konfrontierte den Klassenlehrer mit meinen Kenntnissen. Antwort:“Bewerbungen werden nicht benotet. Jeder kann seine Bewerbung schreiben wie er möchte.“

Fazit für mich: Konfrontiere als Laie niemals eine pädagogische Fachkraft mit Deinem Wissen, Du wirst abprallen, wie wenn Du gegen eine Gummiwand läufst.

Erschwerend kommt hinzu dass In den Schulbüchern zu Bewerbungen leider teilweise noch Inhalte von vor 20 Jahren vermittelt werden, das kann nicht funktionieren. En Blick ins Impressum dieser Bücher zeigt das Datum des Wissenstands. Da kann man getrost ein paar Jahre hinzu addieren, denn Verlage ändern ungern ihre Inhalte, weil das Geld kostet, wie ich selbst aus meiner 24-jährigen Verlagserfahrung bestätigen kann.

Einer der wenigen Verlage, der jedes Jahr seinen Bewerbungsführer neu macht, ist das Standarwerk von Hesse und Schrader, das ich weiter unten nochmals erwähne.

Ich schrieb nun zusammen mit meinem Sohn einige wenige Bewerbungen nach den Maßgaben der B.I.B. Zusätzlich absolvierte er frühzeitig diverse Praktikas wo ebenfalls unsere Bewerbungen zum Einsatz kamen. Bei einem Praktikum setzte sich der Klassenlehrer, wie sich später herausstellte mit großem Erfolg beim Ausbildungleiter für Simon ein. Das hat sicher zum Erfolg der Bewerbung beigetragen.

Lag es nun am Praktikum und dem engagierten Einsatz des Klassenlehrers, lag es an der Bewerbung oder lag es an Beidem, Simon hat nun seit Oktober 2016 eine Lehrstelle. Nicht jeder aus seiner Klasse, der sich dort beworben hat, wurde genommen, Simon schon.

Später hatte ich dann Einsicht in Bewerbungen anderer Mitschüler von Simon. Nun, wie diese aussahen, gespickt mit Bewerbungs-Kardinalfehlern, konnte das nicht funktionieren.

So hatten wir Glück. Ich hatte das Fachwissen erworben, eine gute Bewerbung zu erstellen.

Auch für meine Tochter haben wir dann so eine (EINE!) Bewerbung nach den Kriterien der B.I.B. erstellt. Volltreffer! So hat auch meine Tochter nach dem Abi ihren Ausbildungsplatz fest. Auch hier gönnten wir uns den Luxus eines professionellen Bewerbungsfotos. Das kostet etwas, ist aber nicht die Welt. Natürlich mögen 50,- Euro für manche viel Geld sein, aber es ist für die Zukunft Deines Kindes. Je nach Aufwand kann so etwas auch mal 200,- Euro kosten. Der erste Eindruck ist entscheidend, es ist zwar nicht mehr bindend ein Bewerbungsfoto abzugeben, der Personaler ist auch nur ein Mensch und genauso subjektiv wird er entscheiden. Denn links steht immer sein Papierkorb!

Hier nenne ich jetzt beispielhaft eine Internetadresse, die im Wesentlichen auch das wiedergibt, was heute eine gute Bewerbung ausmacht. Treffender hätte es unsere Trainerin vom B.I.B. auch nicht formulieren können. Weitere Beispiele liefert Tante Google:

http://karrierebibel.de/anschreiben-einstieg-einleitungssatz/

Ein Buchtipp wäre:

https://www.amazon.de/Hesse-Schrader-Bewerbungshandbuch-erfolgreiches-Berufsleben/dp/3849020436/ref=sr_1_sc_3?ie=UTF8&qid=1493731989&sr=8-3-spell&keywords=hesse+uind+schrader

Ich wünsche nun allen Bewerbern viel Erfolg bei der Jobsuche. Auf Anfrage stelle ich gerne die Bewerbung (ohne Foto) von Simon oder auch mir zur Verfügung . Bitte kurze Mail an mich. Ich gebe keine Garantie dass das funktioniert, aber es könnte sein, das doch. Bei meiner Tochter und meinem Sohn, aus welchen Gründen auch immer, hat es geklappt.

Ein Schlusssatz aus der Schulung bei der B.I.B. den ich für sehr wichtig halte, möchte ich noch zitieren:“Bewerbung kommt von werben!“

Deshalb der Apell an unsere Kinder:
Werbt für Euch! Draussen weht ein scharfer Wind!

Und der Apell an die Eltern:
Kümmert Euch um die Stärken und Schwächen Eurer Kinder, fördert sie wo es geht. Mit Förderung ist aber nicht das neueste Handy oder die neueste Spielekonsole gemeint.

herzliche Grüße vom Ex-Elternbeirat, Ex-Admin EB-Website und Vater von Simon aus der neunten Klasse

Jürgen Bergmoser