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Mangelnde Unterstützung der Elternarbeit

Insgesamt kann ich gleich auf mehrere Jahre Elternarbeit zurückblicken. Ich war 5 Jahre als Elternbeiratsvorsitzender, ein Jahr am Förderzentrum in Unterschleissheim und vier Jahre in Huglfing an der Mittelschule tätig.

Gleich vorneweg, Dank habe ich nicht wirklich erhalten. Wobei man am Förderzentrum in Unterschleissheim schon sehr dankbar war. Vor allem der damalige Rektor des Förderzentrums war mir für mene Arbeit sehr dankbar. Leider verabschiedeten wir uns bereits nach einem Jahr von diesem Förderzentrum, da wir 2009 nach Polling zogen.  Als mein Sohn nach einem dornenreichen Weg auf dem Förderzentrum in Weilheim nach Huglfing kam und dort mit der fünften Klasse startete, entschloss ich mich dann, mich in der sechsten Klasse, als Elternbeirat aufstellen zu lassen. Im März 2017 holte mich dann der Krebs auf den Boden der Tatsachen zurück. Bereits vorher hatte ich damit zu kämpfen, nun war er zurück und bedurfte einer intensiven Behandlung. Ich legte mit sofortiger Wirkung mein Amt als EB-Vorsitzender und als Admin der EB-Website nieder und kümmerte mich nur noch um mich und die Familie. Immerhin musste mein Sohn zum qualifizierenden Mittelschulabschluss gebracht werden, was uns auch gelang. Um meine Tochter musste ich mich nicht kümmern, sie ging zielstrebig ihr ABI an und ich bin sehr stolz auf sie.

Bis auf eine kleine Notiz der Schulleitung in einem Elternbrief wurde meine Arbeit der letzten Jahre in keinster Weise gewürdigt. Vor allem nicht vom Rest des Elternbeirates, das hätte ich erwartet. Im Gegenteil, ich bekam den Eindruck, das man mir den Rücktritt übel nahm. Zumal ich vor allem für den Auftritt der Website etliche Stunden an Arbeitszeit investiert hatte. Dies veranlasste mich dann auch zu meiner Entscheidung, dass alle von mir auf der Website veröffentlichten Beiträge, 70 an der Zahl, gelöscht werden. Dies wurde dann auch prompt und gründlich vom neuen Admin erledigt.

Als dann noch die Verabschiedung der Schulleiterin Ende des Schuljahres anstand, waren Mitglieder des Elternbeirates der Meinung, das ich nicht zu dieser Veranstaltung kommen sollte. Dies ist aber noch einen eigenen Beitrag wert.

Dankbarkeit – Fehlanzeige
Dankbarkeit ist heute anscheinend etwas, mit dem sich Menschen schwer tun. Das hat etwas mit Wertschätzung zu tun. Was in Firmen heute im Großen nicht mehr stattfindet, setzt sich im Kleinen in Vereinen und anderen gemeinnützigen Organisationen fort. Ich kann ein Lied davon singen, ich war selbst acht Jahre im Vorstand eines Vereins, habe Schulungen veranstaltet, mich an der Öffentlichkeitsarbeit beteiligt und vieles mehr. Bs auf eine Ehrennadel (na immerhin) gabe es keine weitere Anerkennung.

Elternbeirat – keine Kandidaten
So kann es dann nicht verwundern, wenn sich immer weniger Eltern als Elternbeirat aufstellen lassen. Für das Schuljahr 2016/17 wurde die Schulordnung geändert. Nun sollten auch an Grund- und Mittelschulen die Elternbeiräte direkt gewählt werden. Früher wurden die Klassenelternsprecher auch automatisch Elternbeiräte. So fand am 19.10.2016 erstmals an der Huglfinger Grund- und Mittelschule  eine direkte Wahl der Elternbeiräte statt. Für die Wahl des Elternbeirates der Mittelschule meldeten sich gerade noch vier Kandidaten wovon eine Kandidatin ihre Kandidatur noch vor der Wahl zurückzog. So waren für die Wahl der Elternbeirates der Mittelschule noch drei Kandidaten übrig. Mehr wären möglich gewesen. Pro 15 Schüler lässt die Schulordnung einen  EB zu. In der Grundschule war die Zahl der Kandidaten erfreulich höher.

Mangelnde Unterstützung der Eltern
Trotz allem, man merkte deutlich, dass das Elternengagement in der Mittelschule rapide abnimmt. Ja abnimmt, denn bei der diesjährigen Wahl der Elternbeiräte der Mittelschule für das Schuljahr 2017/18 gab es nur noch einen (!) Kandidaten. So setzt sich der diesjährige Elternbeirat der Grund- und Mittelschule Huglfing wie folgt zusammen:

Bei der ersten Sitzung hat dann noch ein EB sein Amt niedergelegt. Warum weiss man nicht. Liegts am neuen Schulleiter?

Wie effektive Elternarbeit mit nur einem EB in der Mittelschule funktionieren soll, ist mir schleierhaft. Da gibt es die Teilnahme und Mitarbeit am Schülerforum, Mitarbeit im GEBR, dem gemeinsamen Elternbeirat des Landkreises, Schulentwicklung und vieles mehr.

Sinn des Elternbeirates
Sollte es daran liegen, das man nicht erkannt hat, was der Elternbeirat sein sollte? Ist der Elternbeirat in den Augen vieler Eltern nur Veranstalter von Elterncafe zum Schulbeginn, Veranstalter eines Kuchenbazars beim Skibasar und Veranstalter der Pausenbrotaktion?

Als mein Sohn sich auf den Quali vorbereitete bot ich mich an, mit Schülern für den Quali zu üben. Aus Simons Klasse meldeten sich nur seine besten Freunde, die ohnehin schon mit ihm übten. Weitere Eltern aus der Klasse meldeten sich nicht. Ein Vater verbat sich sogar diese Belästigung per Mail. Hinzu kommt auch, dass ich von 28 Eltern in Simons Klasse nur von elf Eltern die Mailadresse hatte. Das Ergebnis war dann auch entsprechend. Einige Schüler erreichten den Quali nicht. Und einige Schüler erreichten nicht einmal den normalen Mittelschulabschluß, lagen also über einem Notendurchschnitt von 4.0. Diese Schüler, meist auch ohne Lehrvertrag, drehen nun eine Ehrenrunde auf der Berufsschule mit dem sogenannten Berufsfindungsjahr. Bei der Zeugnisabschlussfeier wurden dies Jahr keine Zahlen zur Erfolgsquote genannt. Als ich vor zwei Jahren als EB-Vorsitzender an einer Zeugnisabschlussfeier teilnahm, kann ich mich noch noch gut erinnern, wie dort die Erfolge genannt wurden.  Das diesjährige Ergebnis muss erheblich schlechter gewesen sein. Ein Schüler, als lernunwillig bekannt, war zur Zeugnisübergabe überhaupt nicht erschienen.

Lernunwillig – ein Dilemma
Was ist der Grund für dieses Dilemma? Zum einen lag es an einer schwierigen Lehrersituation. Die 9.Klasse hatte zwei Lehrerwechsel in diesem Schuljahr zu verkraften. Zum anderen lag es auch an einigen wenigen Schülern, die einfach keine Lust hatten. Wenn sich ein Schüler zu einem Referat nicht vorbereitet hat und lieber einen Sechser kassiert („Geben Sie mir einen Sechser, ich habe nichts vorbereitet!“), dann ist der beste Pädagoge machtlos. Es liegt aber auch am Elternhaus. Und nun schlage ich den Bogen zum mangelnden Elternengagement. Eltern, denen die Elternarbeit egal ist, ist auch die Arbeit ihres KIndes an der Schule egal. Der Pädagoge an der Schule kann nur einen Anteil an der Arbeit des Kindes leisten. Weitere Unterstütung muss auch vom Elternhaus kommen. Wenn die das Kind nicht erhält, verliert es. Da geht es um das Trainieren für den Quali, da geht es um das Erstellen einer guten Bewerbung, da geht es um die Suche eines Praktikumplatzes und vieles mehr.

Ich darf abschliessend erwähnen, dass das Training mit Simon und seinen Freunden von Erfolg gekrönt war. Alle drei haben den Quali geschafft, obwohl es bei einem Freund gar nicht gut aussah, aber auch er hat es geschafft und kann jetzt stolz sein.

Wenn ich mir die Elternabende so ansehe, dann fiel mir auf, dass man manche Eltern nie zu Gesicht bekam. Im Schuljahr 2016/17 passte das zu den Schülern, die jetzt auch ohne Quali/ABschluss oder Lehrvertrag dastehen. Kinder zu haben ist eine große Verantwortung. Wenn ich jetzt meine beiden Großen sehe, Judith mit ABi und weiterem Besuch einer Fachschule für MTLAs und Simon mit Quali und einer Ausbildung zum Feinwerkmechaniker, bin ich stolz, dass wir das zusammen geschafft haben.

Fragt mich!
Gern gebe ich meine Erfahrungen weiter. Vor allem im Bereich Bewerbungen kann ich helfen. Denn was hier die Schule vermittelt hat, ist nicht Stand der aktuellen Situation. Ich habe zu diesem Thema bereits einen Beitrag verfasst der hier nachzulesen ist. Ich denke da immer an den Mitschüler aus Simons Klasse, der 30 Bewerbungen geschrieben hat und 30 Absagen erhalten hat. Als ich die Bewerbungen sah, war mir klar warum. Eine Bewerbung zu erstellen ist heute nicht mehr lapidar und darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Bewerbung kommt von Werben, ein „hiermit bewerbe ich mich“ reicht nicht aus!

Auch der richtige Zeitpunkt für Bewerbungen ist wichtig. Vielen Eltern ist immer noch nicht bewusst, dass ihr Kind zum Beginn des neunten Schuljahrs eigentlich seinen Lehrvertag in der Tasche haben muss. Die meisten Firmen haben Ende September Bewerbungsschluss für  das kommende Ausbildungsjahr. Trotzdem gibts auch für die Nachzügler noch genügend Ausbildungsplätze. Es gibt aber nicht mehr die Wunschberufe, die sich manche vielleicht erträumen. Laut Arbeitsagentur Weilheim gab es aktuell nachgefragt, Ende August noch fast 400 Ausbildungsplätze für September 2017. Dies sind aber wie gesagt nicht die Wunschberufe, die sich manche vorstellen.

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