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Das Problem steht/liegt immer hinter der Kamera

Was will ich damit sagen? Es gibt eine Menge Hobbyfotographen, die einem fatalen Irrtum erliegen. Sie glauben man müsse nur genügend Geld ausgeben, dann würden auch die Fotos gelingen.

In meiner aktiven Zeit bei Pearson Deutschland habe ich unter der Marke Markt und Technik zahlreiche Fotobücher verlegt. In dieser Zeit habe ich meine alte Leidenschaft wiederentdeckt. Zuletzt hatte ich während meiner Schulzeit und während der Bundeswehr aktiv Kontakt mit der Fotografie.

In der Schule hatten wir einen aktiven Lehrer, der seine Freizeit opferte und mit uns und einer Leica auf Fototour ging. Die Ergebnisse unserer Fototouren entwickelten wir im schuleigenen Fotolabor. Dieser Lehrer zeigte uns aber vor allem, wie ein gutes Foto entsteht. Die verwendete Kamera hatte keinen Autofokus und keine Belichtungsautomatik. Das war echte Handarbeit. So lernten wir den Zusammenhang zwischen Blende und Belichtungszeit. Ich bin diesem Lehrer noch heute dankbar für diese Zeit.

In meiner Zeit bei der Bundeswehr unterhielt ich mich eines Tages mit unserem Kompaniefeldwebel, wie man die Soldaten in ihrer Freizeit einer vernünftigen Tätigkeit zuführen könnte. Ich erfuhr dass es dafür sogar einen Etat gab.  Da kam mir die Idee, doch ein Fotolabor einzurichten. So konnten die Soldaten selbstgemachte Fotos entwickeln und vergößern. Damit das Ganze nicht zu aufwändig wurde, beschränkten wir uns auf ein Schwarzweisslabor.

Ich bekam eine bestimmte Summe, zog los und kaufte ein. Vergrößerer, Filmentwicklungsdose, Chemikalien, Fotopapier, Entwicklerschalen, Rotlicht und vieles mehr. Ein Raum mit Wasseranschluss im Kompaniegebäude war auch bald gefunden. Der Raum wurde lichtdicht gemacht und bald konnten die ersten Filme entwickelt und vergrößert werden. Es machte uns allen sehr viel Spass.

Im März 2014 sass ich an dem Brunnen am Stachus. Ein junges Pärchen mit Kamera kam auf mich zu. Es stellte sich heraus, dass sie Volontäre bei der Münchner tz waren. Sie recherchierten für einen Artikel des Online-Auftrittes der Zeitung. Das Thema war : „So täuscht uns unser Gehirn – Vorurteile und Mythen des Alltags“. Nun, aufgrund meiner Tätigkeit als Lektor für Fotobücher hatte ich so einschlägige Erfahrungen gesammelt. Kunden unserer Bücher kauften sich Kameras zu schwindelerregenden Preisen, die Fotos wurden aber nicht besser. Im Gegenteil, es wurde sogar bemängelt, dass den teuren Kameras, die Motivprogramme (sogenannte Deppenprogramme) fehlten. Diese Erfahrung gab ich zum Besten. Prompt wurde das veröffentlicht.

Ich habe lange nicht mehr an diesen Artikel gedacht. Erst neulich beim „Selbstgoogeln“ stiess ich wieder auf diesen Artikel mit einem Bild von mir:

Mythos Fotografie
Artkel in der tz vom 22.3.2014

Hier gehts zum Link dieses Artikels:

https://www.tz.de/muenchen/stadt/so-taeuscht-uns-unser-gehirn-vorurteile-mythen-alltags-tz-3429836.html

Was will ich damit sagen? Fotografie ist ein Handwerk das man beherrschen sollte. Die heutige Beliebigkeit der Fotografie mit Smartphone und Tablet ist ruinös. Wer kennt heute noch die Bedeutung von Blende und Verschlusszeit?

Das Problem ist nicht die Kamera, sondern derjenige der dahinter steht.

Einer meiner Lieblingsautoren für die Fotobücher sagte einmal etwas sehr Kluges: „Erst wenn man seine derzeitige Kamera beherrscht sollte man sich eine höherwertige Kamera kaufen.“ Recht hatte er.

Oder anders gesagt, wer nicht fotografieren kann, sollte es lernen. Er wird sonst keine Freude an diesem Hobby haben. Oder die Fotos werden einfach immer Scheisse ausschauen!

Lasst uns darüber nachdenken!