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Was ist eine Transit Unit? Eine Horrorgeschichte aus einem Krankenhaus

Zitat:
„Horrorstories berichten von so genannten »Transit-Units«, die eigentlich für den Krankenhausaufenthalt von max. 24 Stunden gedacht sind, in denen Patienten nach lebensnotwendigen Operationen wegen Überlastung bis zu einer Woche lang ausharren mussten. Die Transit-Units sind nichts anderes, als Rollbetten die entlang des Flurs aufgestellt sind. Wenn man Glück hat, hängt zumindest ein Vorhang davor. Es gibt weder Privatsphäre, noch eine eigene Toilette. Auch von Personalmangel und furchtbaren hygienischen Zuständen wird berichtet. Mal davon abgesehen, dass die Xxxxxxx sogar im Krankenhaus (!) Teppich-Boden haben. Ich stelle mir das ein bisschen so vor, wie wenn man eine Katastrophensituation hat und die Krankenhäuser total überfüllt sind. Bloß scheint das hier Normalzustand zu sein.“

Ratet, in welchem Land passiert das? Diese Geschichte hat sich so wirklich zugetragen.

Hier ein weiteres Zitat, wenn man das liest, keimt Wut in einem auf, aber lest selbst:
Letzte Woche wurde in der Zeitung auch über eine 89-jährige Frau berichtet, die wegen einer Staphylokokken-Infektion ins Krankenhaus musste. Man ließ die betagte Dame dort fast den ganzen Tag unter Schmerzen in einem Bett im Flur ausharren. Als diese schließlich um eine Bettpfanne bat, wurde sie angewiesen, einfach in ihr Bett zu urinieren. Es dauerte zwei Stunden, bis schließlich jemand Zeit hatte, die Bettlaken zu wechseln. Auch die Schmerzmittel, die sie normalerweise nehme, wurden ihrer verweigert mit der Begründung, dass diese zu teuer seien und deshalb in der Notaufnahme nicht verwendet würden. Die alte Frau fühlte sich (verständlicherweise) ihrer Würde beraubt und soll unter Tränen gesagt haben: »Ich bin 89 Jahre alt, mein ganzes Leben lang habe ich brav Steuern gezahlt und so werde ich nun behandelt. Ich muss in mein eigenes Bett urinieren.

Beides ist im gleichen Land passiert und nicht erfunden. Die Geschichten gingen durch die örtliche Presse dieses Landes. Um das Ganze aufzulösen, hier die Originallinks dieser Berichte:

Patient wird einfach in der Transit-Unit liegengelassen

89-jährige muss in ihr Bett urinieren

Warum schreibe ich diesen Beitrag?
Wie Ihr alle wisst, bin ich seit Mai 2015 an Krebs erkrankt. Eine aufwändige, auf mich abgestimmte Chemotherapie war notwendig. Eine aufwändige OP von acht Stunden Dauer wurde durchgeführt, Nachsorge, weitere Chemos usw.  Immer fühlte ich mich gut betreut. Ich musste nichts aufzahlen, die üblichen Zuzahlungen werden, wenn sie ein bestimmtes Maß überschreiten (2% vom Bruttolohn, 1% bei chromnischer Erkrankung) erstattet. Hier geht es um Rezeptgebühren oder Zuzahlungen beim Krankenhausaufenthalt. Ich gewann den Eindruck, das wir ein funktionierendes Gesundheitssystem haben. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es mir ergangen wäre, wenn ich in diesem Land leben würde, aus dem die zwei zitierten Artikel stammen.

Sicher ist bei uns nicht alles perfekt. Wo ist das schon der Fall? Aber es ist ein Unterschied, ob ich in einem Land Urlaub mache, oder ob ich dort leben möchte. Alltag und Urlaub sind zwei große Unterschiede. Die Sichtweise der Einwohner des zitierten Landes sind eindeutig Ich-bezogen. Kein Einwohner dieses Landes würde freiwillig zugeben, das etwas schief läuft. Man ist toll, hat tolle Strände und ist so tolerant. Auch das mit der Toleranz stimmt in keinster Weise. Wer sich schon mal als Ausländer in diesem Land auf dem Arbeitsmarkt behaupten musste, wird merken, was dort für ein scharfer Wind weht.

Ich finde den Blog der Österreicherin Nina Fischer sehr erhellend. Nina Fischer hat mehrere Jahre in Australien gelebt. Sie zeichnet die Australier sehr nüchtern und demaskiert sie. Ich darf hier nochmals zitieren:

„Australien hat eine innige Liebesbeziehung mit sich selbst, der Rest der Welt ist weniger von Interesse. Immer wieder muss ich feststellen, dass es einen Grund gibt, warum Australien so isoliert ist. So abgeschnitten vom Rest der Welt. Warum man in Europa kaum jemals etwas über den Kontinent Down Under zu hören bekommt – und das liegt nicht nur an der Distanz. Australien WILL sich abgrenzen und als unabhängige Nation allein dastehen. Die Aussies sind ein überaus stolzes, selbstverliebtes Volk. Das erlebe ich jeden Tag und das spiegelt sich teilweise auch in deren einseitigen Berichterstattung wieder.“

Mit dem Text „Der Rest der Welt interessiert uns nicht“ zeichnet sie ein Bild der Einwohner dieses Landes, das mir so bisher nicht klar war. Es leuchtet aber ein und klingt sehr glaubwürdig.

Wie bin ich auf diese Texte gestoßen?

Ich bin an Krebs erkrankt, dabei surfe ich immer wieder durch das Netz. Durch Zufall bin ich auf mehrere an Krebs erkrankte deutsche Auswanderer gestoßen, die jetzt aufgrund ihrer Erkrankung nach Deutschland zurück gehen werden oder es schon getan haben. Hier bilden Krebsärzte sogenannte Boards oder Foren in denen sie sich über ihre Patienten austauschen. So auch mein Onkologe. In Australien sind solche Boards oder Foren Fehlanzeige. Ohnehin ist dieses Land kein Musterbeispiel an Vernetzung. Überall Internet ist noch lange kein Standard. Oft sind die Telekommunikationskosten sehr hoch. Nur die größeren Städte bieten ähnlichen Komfort, wie er bei uns schon lange selbstverständlich ist. Zum Urlaub machen sicher eine schöne Sache – ich bin dann mal weg.

So darf man gespannt sein, wie es mit dem australischen Gesundheitssystem weitergeht. Hatte die Gesundheitsministerin Jillian Skinner noch 2016 angekündigt in das Gesundheitssystem fast 800 Mio AU$ weniger zu investieren, zog sie sich im Januar 2017 überraschend aus der Politik zurück. Jeder, der heute erwägt, nach OZ auszuwandern sollte sich diesen Schritt gut überlegen. Er sollte jung sein und am besten viel Geld mitbringen.

Ich bin froh dass es mir hier gut geht. Ich geniesse den Reiz des bayerischen Voralpenlandes. Ich fühle mich bei meinem Onkolgen gut aufgehoben.

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